Sonja & Tim heiraten

Hochzeitsplanungstagebuch

Die Hochzeits-Expedition

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Ja, richtig gehört: Wir haben Ja gesagt, im Bergdiamanten, hoch über Fiss, zwischen Abfahrt und Kaiserschmarrn. Denn wenn man sich sogar in Skischuhen und mit Helmfrisur noch mag, muss es wohl wahre Liebe sein.

Und so begeben wir uns nun auf eine weitere Reise… Kein Flughafen, kein Impfpass, kein Lonely Planet, aber garantiert Höhen und Tiefen, unverhoffte Umwege und mindestens eine Begegnung mit der deutschen Bürokratie.

Und wie bei jeder guten Reise gilt: Die schönsten Momente verdienen ein Tagebuch, die Pannen eigentlich noch mehr. Also schreiben wir mit: für euch, damit ihr von Anfang an dabei seid, und für uns, damit wir später nochmal herzlich darüber lachen können.

Anschnallen. Es geht los.

Sonja und Tim beim Skifahren in Fiss

Hoch über Fiss, kurz bevor alles seinen Lauf nahm.

Eigentlich war der Plan simpel: Wer sieben Jahre für die Verlobung braucht, hat dann auch sieben Jahre Zeit für die Hochzeitsplanung, so läuft das doch, oder?

Wie sich herausstellte: nein. Denn der Finanzminister hatte zuletzt mit reduzierten Steuervergünstigungen für neue Ehen auf sich aufmerksam gemacht, und da dachten wir: besser Bestandsschutz haben als Bestandsschutz brauchen. Also haben wir kurzerhand einen standesamtlichen Hochzeitstermin für 2026 organisiert. Steuern sparen, das haben wir dabei gelernt, hat eine völlig unterschätzte Romantik.

Aber keine Angst, die große Feier kommt dann 2027, wenn wir etwas mehr Zeit hatten, uns in Ruhe zu streiten, welche Farbe die Tischdecken haben sollen.

Bleibt die Frage nach dem Datum. Gefunden haben wir es Anfang Mai, auf einem verlängerten Wochenende auf Malta, und weil Tim als leidenschaftlicher Historiker keine Ruine links liegen lassen kann, wurde aus einem entspannten Städtetrip im Handumdrehen ein Rundumschlag durch die maltesische Geschichte.

Wer auf Malta „Geschichte" sagt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Napoleon, Tims erste große Liebe. Der kleine* Korse hatte sich die Insel 1798 auf dem Weg nach Ägypten kurzerhand einverleibt, um sich dann, ganz Gentleman, gleich wieder aus dem Staub zu machen und seine Truppen mit dem lästigen Rest zurückzulassen.

* Anmerkung Tim: So klein war er gar nicht. 1,68 m war damals eine absolut ansehnliche Größe.

Zwei Jahre später komplimentierten die Briten seine Truppen höflich, aber bestimmt wieder von der Insel. Das Datum dieses wenig ruhmreichen Auszugs: der 4. September 1800.

Womit das Datum gefunden wäre: der 4. September. Und wie schon 1800 auf Malta muss Napoleon nun ein zweites Mal weichen, diesmal entthront von Sonja, die sein Reich kampflos übernimmt.

Das Datum steht. Und damit geht es jetzt ans Eingemachte.

Vor uns liegt reichlich unerforschtes Terrain. Aber das sind Sorgen für die nächsten Kapitel, heute genießen wir erst einmal den schönsten Teil jeder Reise: den Moment, in dem noch alles möglich ist.

Sonja und Tim auf Malta

Auf Spurensuche zwischen Napoleon und dem Datum unserer Hochzeit.

Die Euphorie hielt genau so lange, bis wir anfingen, konkret zu werden.

Für die Planung haben wir uns nämlich kurzerhand einen kleinen Hochzeits-Agenten gebaut. Sein erster Auftrag: eine To-do-Liste. Sein erstes Ergebnis: 75 Einträge. Ufff.

„Location finden" etwa steht da ganz unschuldig zwischen „Ringe" und „Einladungen", als wäre es eine Fünf-Minuten-Angelegenheit.

So wird aus „alles ist möglich" ziemlich ernüchternd „alles ist zu tun". Aber irgendwo muss man ja anfangen, am besten bei Punkt 1 von 75.

Wer Steuern sparen will, muss mindestens standesamtlich verheiratet sein: Kür kommt später, erstmal ist Pflicht dran. Und Pflicht heißt in unserem Fall: Hochzeit in Hannover anmelden und Trauort finden.

Bei den Trauorten hat Hannover grundsätzlich Stil zu bieten: Trauung in den Herrenhäuser Gärten, im Fußballstadion, sogar im Zoo. Nur mit fünf Monaten Vorlauf sind die schönen Termine längst vergeben, übrig bleibt entweder das Service Center für die Speed-Variante oder, etwas gesetzter, 9 Uhr morgens im Standesamt im Alten Rathaus.

Eigentlich ausreichend, bis uns beim Blick auf den Teppichboden im Trauzimmer die Haare zu Berge stehen. Ganz allerliebst, würde Verena wohl sagen. Wir können uns einfach nicht vorstellen, vor diesem Teppich auch nur ein einziges Hochzeitsfoto zu machen. Also zurück auf Los und nochmal breiter geschaut.

Also suchen wir weiter, quer durchs Umland: Laatzen, Rodenberg, Pattensen, Bad Nenndorf, Barsinghausen, Wennigsen, Großburgwedel. Schließlich, in Celle, passt alles, und im neuen Rathaus ergattern wir einen Trautermin am 4. September.

Neues Rathaus Celle, Standesamt

Das neue Rathaus in Celle – unser Standesamt.

Nach der Pflicht kommt die Kür, und wir beginnen mit der Suche nach einer Location für die Hochzeitsfeier im nächsten Jahr. Unsere Wunschvorstellung ist eigentlich überschaubar: ein Ort, an dem man barfuß im Gras laufen und am nächsten Morgen noch gemeinsam frühstücken kann. Eine Gartenparty mit Übernachtung klingt perfekt!

Der Hochzeits-Agent liefert prompt eine Liste möglicher Locations, und wir suchen uns einen ersten Favoriten für eine Besichtigung aus. Wir sind eigentlich ganz angetan und wollen im nächsten Schritt einen Planungstermin mit dem Eventmanager vereinbaren, doch bevor es überhaupt so weit kommen kann, bekommen wir die Info, dass der 4. September 2027 gerade von einem anderen Hochzeitspaar reserviert wurde.

Wir suchen weiter und lernen schnell, dass 16 Monate Vorlauf für eine Hochzeitslocation über 80 Personen offenbar nicht annähernd so viel Zeit ist, wie wir dachten.

Für einen Besichtigungstermin fahren wir sogar bis nach Celle und lassen uns dort zwei Stunden lang vom Betreiber vollschwatzen, nur um am Ende zu erfahren, dass er für unseren Tag, den wir ihm bereits in der Anfrage-E-Mail mitgeteilt hatten, längst zwei andere Hochzeiten angenommen hat und ausgebucht ist.

Vorsorglich fragen wir parallel auch gleich bei der Kirche an, um wenigstens dort frühzeitig eine Reservierung zu sichern. Ergebnis: Der Kindergarten hat anderthalb Jahre im Voraus das gesamte Kirchengelände für einen Basar geblockt.

Tja. Da müssen wir wohl nochmal in eine zweite Runde.

Zwischen all den Ortssuchen und Formularen ist es Zeit für ein paar Basics, die den roten Faden für die Planung geben sollen.

In unseren Köpfen gibt es vieles davon schon: Wir schreiben ja bereits ein Reisetagebuch, sprechen von Aufbruch und unerforschtem Terrain und wissen, welche Farben zu uns passen. Der Hochzeits-Agent verlangt trotzdem nach etwas Greifbarem: Farbcodes, ein Motto, ein paar klare, formalisierte Guardrails. Also machen wir aus dem roten Faden offiziell ein Travel-Theme und erstellen einen Design Guide mit passenden Farben: navy-slate, waldgrün, Sonnenblumengelb und etwas Gold für den Glanz. Passend dazu entstehen auch gleich die ersten Save-the-Date-Karten, im Design einer Bordkarte.

Was noch fehlt, ist ein Ort, an dem sich dieser Faden sichtbar entlangzieht. Genau das wird gerade mit der Hochzeitswebsite gebaut, und mit ihr bekommt das Tagebuch endlich eine Bühne. Bislang lagen die Kapitel nur zwischen uns; jetzt werden sie lesbar für alle, die mitreisen wollen.

Design Guide und Farbpalette der Hochzeitswebsite

Farbpalette und erste Entwürfe der Hochzeitswebsite.

Die meisten Dinge auf dieser Reise sind für einen einzigen Tag gedacht. Einiges sogar nur für einen Moment. Die Eheringe dagegen sollen uns ein Leben lang begleiten.

Unsere entstehen bei Manuela Meißner, einer Goldschmiedin mit eigener Ladenwerkstatt in Hannover-Waldheim. Sie ist die Erste von mittlerweile einigen besonderen Menschen, denen wir auf dieser Reise begegnet sind, Menschen mit eigenem Talent und eigener Geschichte, die wir nach und nach an passender Stelle vorstellen möchten. Nicht nur für das, was sie für uns tun, sondern auch dafür, wer sie sind.

Goldschmiedin ist eines der ältesten Handwerke überhaupt, und eines, das es zunehmend schwerer hat: Immer weniger junge Menschen lernen den Beruf, und Werkstätten, in denen noch wirklich von Hand gefertigt wird, werden seltener. Manuela Meißner betreibt genau das, mit spürbarer Leidenschaft. Jeder Ring, der ihre Werkstatt verlässt, ist ein Unikat, gefertigt für eine ganz bestimmte Person, die sie vorher persönlich kennengelernt hat.

Bei einem Vorbereitungs-Termin sprechen wir über Materialien, Farben und Formen und ziehen diverse Ringe an und wieder aus, um herauszufinden, was sich gut und natürlich genug anfühlt, um es für den Rest unseres Lebens zu tragen. Irgendwie absurd, sich so langfristig auf ein Schmuckstück festzulegen, und gleichzeitig freuen wir uns sehr, die fertigen Ringe endlich zu sehen.

Die Eheringe von Sonja und Tim

Handgefertigt von Manuela Meißner in ihrer Werkstatt in Hannover-Waldheim.

Wir sind weiter fleißig und konnten inzwischen einige Punkte von der Liste streichen. Die Gesamtstruktur für die Feiern steht, ebenso die Outfits fürs Standesamt. Über die Anprobe bei 38 Grad im Schatten sagen wir an dieser Stelle lieber nichts weiter, manche Erfahrungen sprechen für sich.

Auf der Suche nach weiteren Inspirationen waren wir dann heute auf unserer allerersten Hochzeitsmesse, dem Wedding Festival im Schloss Raesfeld.

Den Auftakt macht eine Brautmodenschau auf der Schlossbrücke als Laufsteg. Danach geht's an die Stände: Wir lassen uns porträtieren, kosten uns quer durch ein halbes Dutzend Hochzeitstorten und stellen dabei fest, wie viel es eigentlich zu lernen gibt über Dinge, von denen wir bis heute gar nicht wussten, dass wir sie brauchen. Schließlich landen wir, leicht überfordert, bei zwei Alpakas in Fliege. Warum ausgerechnet Fliege, bleibt ihr Geheimnis, aber sie tragen sie mit einer Würde, die selbst Napoleon beeindruckt hätte.

Am Ende des Tages ist unsere Liste um ein paar Ideen reicher und wir um ein paar Torten-Pfunde schwerer.

Morgen geht's dann wieder amtlich zu: Anmeldung der Trauung beim Standesamt in Hannover. Bürokratie, die nächste Runde.

Sonja und Tim auf dem Wedding Festival im Schloss Raesfeld

Auf dem Wedding Festival im Schloss Raesfeld.