Zur Verlobung im März haben wir eine Reise nach Oslo geschenkt bekommen, eine Mini-Kreuzfahrt mit der Fähre ab Kiel, drei Nächte in Norwegens Hauptstadt, und mit dem Schiff wieder zurück.
Nach der Aufregung der letzten Tage freuen wir uns nun auf ein paar Tage Entspannung. Und natürlich möchten wir auch davon ein paar Eindrücke festhalten. Ein Reisetagebuch in einem Reisetagebuch, quasi eine Reise-Matroschka ;)
Tag 1
Den Zug nach Kiel nehmen wir extra früh, um genug Puffer für die Launen der Deutschen Bahn zu haben. Und dann, wer hätte das kommen sehen, kommt er tatsächlich pünktlich an. In der gewonnenen Zeit stimmen wir uns mit Backfisch und Krabben schon mal auf Seefahrt ein und schauen uns die ersten Bilder von der Trauung an. Gruppenfotos mit mehreren Kameras gleichzeitig, stellen wir fest, sind eine größere Herausforderung, als wir dachten. Wie gut, dass wir nächstes Jahr noch einen Versuch haben, Notiz für die To-do-Liste: Der Gruppen-Fotograf braucht eine unverkennbare Markierung, damit wirklich jeder checkt, wo er hinschauen soll.
Eigentlich haben wir eine Innenkabine gebucht, doch beim Check-in werden wir mit einer extra großen Kabine mit Meerblick überrascht, und dann auch noch auf der Backbordseite. Wer schon mal eine Landkarte in der Hand hatte, weiß: Das bedeutet Sonnenuntergang direkt vom Bett aus. Was für ein Auftakt!
Nach einer kurzen Erkundungstour über das Schiff, das mit seinen Restaurants, Läden, Spa, Aqualand, Kasino und Theater fast schon eine kleine Stadt ist, gönnen wir uns einen Mittagsschlaf und genießen den Ausblick.
Beim Auslaufen erwacht kurz der Historiker in Tim: Vorbei geht es am schleswig-holsteinischen Landtag, einst erste Marineschule der Kaiserlichen Marine, und am U-Boot-Ehrenmal Möltenort, welches an die über 35.000 deutschen U-Bootfahrer gedenkt, die in beiden Weltkriegen gefallen sind, und am Marineehrenmal Laboe, das den auf See Gebliebenen aller Nationen gedenkt.
Unsere Oslo-Woche hat zudem einen besonderen Rahmen: Am 9. September wird dort König Harald V. beigesetzt, samt Prozession, Gottesdienst und Grenzkontrollen für alle. Zum Glück hat Tim einen druckfrischen Ausweis.
Bilder Tag 1 – Aufbruch nach Oslo.
Tag 2
Aufwachen mit Meerblick, Frühstück mit Blick auf den Oslofjord, wir könnten uns fast daran gewöhnen. Und dann sind wir auch schon da.
Nach einem kurzen Check-in im Hotel geht es gleich weiter zur ersten Erkundungstour: die Deichman-Bibliothek, das Munch-Museum, eine Audio-Sightseeing-Tour entlang der Uferpromenade, und zum krönenden Abschluss ein Eis, das uns eine ebenso hinterhältige wie zielsichere Möwe mit einem Überraschungsangriff aus dem toten Winkel sogleich wieder abnimmt.
Bilder Tag 2 – Erste Eindrücke aus Oslo.
Tag 3
Heute Morgen geht es mit der Fähre nach Bygdøy, wo Fram-Museum und Kon-Tiki-Museum eindrucksvoll vorführen, was Norweger auf dem Wasser schon alles geleistet haben.
Bei unserer Rückkehr in die Stadt ist bereits einiges los in Vorbereitung auf die Beisetzung von Harald V. morgen. Norwegische und dänische Yachten haben bereits im Hafen angelegt, und auch in der Innenstadt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Absperrgitter werden aufgestellt, Trecker karren riesige Blumentöpfe durch die Gegend, und es wimmelt nur so von Uniformen in allen Farben und Formen.
Auf der Suche nach etwas einigermaßen Bezahlbarem zum Essen verzweifeln wir regelrecht und landen schließlich bei McDonald's für eine kurze Verschnaufpause.
Auf dem Rückweg noch eine Audio-Sightseeing-Tour entlang der Karl Johans gate, und das war's dann auch schon für heute.
Mit der Fähre nach Bygdøy.
Bilder Tag 3 – Museen und erste Vorbereitungen auf die Beisetzung.
Tag 4
Heute ist die Beisetzung von König Harald V.
Rund um die Innenstadt gilt seit gestern Abend eine Sperrzone, doch unser Hotel liegt praktischerweise mittendrin, sodass wir ganz ohne Personenkontrolle durchkommen.
Punkt 12 Uhr öffnen sich die Schlosstore, 21 Kanonenschüsse läuten die Prozession zum Dom ein. Das Who's Who der europäischen Königshäuser zieht keine fünf Meter an uns vorbei: die Könige von Schweden, Dänemark, Jordanien, den Niederlanden, Spanien und Belgien, der Herzog von Monaco, Prinz William und Prinzessin Anne. Auch Selenskyj und unser Frank-Walter sind dabei, die beiden wirken schon wie richtige Besties.
Leid tun uns die vielen Soldaten, die hier teils schon seit Stunden strammstehen, ohne auch nur den kleinen Finger zu bewegen. Persönliches Highlight: die Osloer Bischöfin mit Rasta-Zöpfen.
Den Trauergottesdienst verfolgen wir noch eine Weile auf einem der zahlreichen Bildschirme, die über die Stadt verteilt stehen, bevor wir uns entscheiden, das Spektakel lieber aus einem Café vor dem Rathaus zu beobachten, wo die Limousinen der wichtigen Leute schon warten.
An den Flaggenmasten stehen sich ein paar Matrosen vermutlich schon seit heute früh die Beine in den Bauch, in Wartestellung für ihren großen Moment ganz am Ende, wenn die Flaggen wieder vollständig gehisst werden. Nicht mal der einsetzende Regen bringt sie aus der Fassung, wie wir Kaffee schlürfend feststellen.
Gegen 16:30 werden sie endlich erlöst, während die wichtigen Staatsgäste in Reisebussen durch die Absperrungen kutschiert werden, ein bisschen wie Klassenfahrt.
Die Prozession zieht direkt an uns vorbei.
Der Trauergottesdienst, live auf einem der Bildschirme in der Stadt.
Bilder Tag 4 – Die Beisetzung von König Harald V.
Zum Abschluss des Tages besuchen wir noch Kathrin und ihre Familie: Es gibt selbstgemachten Apfelkuchen, eine Runde Flurfußball Tim gegen Tim und, als norwegische Spezialität, Kabeljau-Rogen.
Bilder Tag 4 – Zu Besuch bei Kathrin.
Tag 5
Heute ist schon unser letztes Frühstück im Hotel, mit Fleischbällchen und Blaubeerpfannkuchen, an die wir uns ja wirklich noch hätten gewöhnen können. Zum Abschied gönnen wir uns noch die Skisprungschanze Holmenkollen, bei Sonnenschein und bestem Blick über den Oslofjord.
Dann heißt es zurück aufs Schiff. Als inzwischen erprobte Color-Line-Veteranen wissen wir natürlich genau, wo wir die besten Ausblicke und bequemsten Sessel zum Auslaufen finden, und so sichern wir uns prompt einen Tisch in der Observation Lounge, dem höchsten Punkt des Schiffs und einer der wenigen mit Blick nach vorn. Bei Traumwetter legen wir ab und schippern durch den Oslofjord. Dazu ein Kaffee, der uns nach den norwegischen Preisen der letzten Tage fast schon geschenkt vorkommt, entsprechend großzügig schlürfen wir ihn auch. Abends dann noch die Show Lounge, Gesang, Tanz und Akrobatik im Medley, wirklich sehenswert.
Rückfahrt durch den Oslofjord.
Noch mehr Ausfahrt durch den Oslofjord.
Bilder Tag 5 – Abschied von Oslo.
History Special
Für alle, die unsere History Specials vermisst haben: Auch die Marinehistoriker sollen hier noch auf ihre Kosten kommen …
Fast am Ende der Uferpromenade liegt, unscheinbar zwischen Cafés und Wohnhäusern, der Anker des Schweren Kreuzers Blücher. Kaum aus der Erprobung entlassen und noch längst nicht einsatzbereit, musste das Schiff beim „Unternehmen Weserübung", dem Überfall auf Dänemark und Norwegen, gleich zu seinem ersten und letzten Einsatz antreten: Am 9. April 1940 versenkten die norwegischen Küstenbatterien der Festung Oscarsborg, an der man beim Ein- und Auslaufen des Fjords vorbeikommt, den Kreuzer im Oslofjord. Bis heute liegt das Wrack in rund 90 Metern Tiefe, Seekriegsgrab und Denkmal in einem. Der Anker an der Promenade soll 1994 gehoben worden sein.
Bilder History Special – Der Blücher-Anker.